Bachelor of Arts

Digital Media

Für meinen Abschluss an der HAWK HHG wollte ich ein neues Themengebiet für mich beginnen. Ich bin selber katholisch, aber hatte nicht wirklich eine Ahnung was Priester heutzutage alles machen. Außer die Sakramante die man so kennt, wie Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen oder Messen. Robert und mein Mann kennen sich schon sehr lange, ich habe Robert erst vor wenigen Jahren kennengelernt und war sofort begeistert von seinem Wesen. Er ist ein herzensguter Mensch und ist von der kleinsten Haarspitze bis zum kleinen Zeh Priester. Seit ich denken kann, wollte ich schon Filme drehen, wusste aber das es eher schwierig wird als Frischling. Deswegen wusste ich seit Anfang an, dass ich es wenn selber in die Hand nehmen müsste. Am Ende ist nun eine wunderschöne Arbeit heraus gekommen. Ein 160 seitiger Fotoband, ein Film mit einer Länge von 7:30 Minuten und ganz viel Stolz! Ich freue mich sehr, mein Projekt endlich zeigen und teilen zu können.

Equipment
Canon 5D Mark iii
50mm, 24-70mm
Dji Mavic Pro
Sony RX1
H4N Pro
Premiere

Dies ist nur ein Auszug aus meinem Fotoband -ROBERT-
Bei Interesse eines Kaufes, bitte einfach mir eine E-Mail schreiben.

Bildrechte liegen alle bei mir, Mareike Will – bei Verwendungs Wünschen bitte melden –

Please enjoy!

Start: Meine | Ziel: Rennerod

Ankunft 20:21

Ich machte mich auf den Weg ins Ungewisse, was mich am Wochenende bei Robert erwarten würde. Rennerod liegt zwischen Serpentinen und Bergen im Westerwald, zwischen Limburg und Siegen. Ich habe mir vorgenommen, Robert auf Schritt und Tritt zu begleiten. Ich werde mit offenen Armen von Robert empfangen. Strahlendes Gesicht. Ich fühle mich gleich wieder wie zu Hause. „Komm rein“. An diesem Wochenende wird Robert nach dreijähriger Tätigkeit als Priester aus der Gemeinde verabschiedet und wechselt seinen Standort – ich werde herausfinden warum. Es ist Freitagabend und ich bin sehr kaputt nach der langen Autofahrt. Zeitgleich findet dieses Wochenende auch das alljährliche Westerwälder Stadtfest statt. Rennerod war komplett ausgebucht an Übernachtungsplätzen. Roberts Nachbarn, die nicht mal 100 m gegenüber an der Straße wohnen, boten ihm an, dass ich zum Abschied bei ihnen in der alten Wohnung der Oma nächtigen könnte – ich erwartete Schlimmstes.

Die Türen gingen auf und ich fühlte mich auf Anhieb pudelwohl. Die Wohnung war wie aus einem Buch aus den 70-iger Jahren eingerichtet.
Robert half mir alles aus dem Auto in die Wohnung zu transportieren und brachte gleich noch einen Schnaps mit. „Das ist ein ganz toller“. Außer mir kenne ich kaum Leute, die solche Gourmets sind wie Robert. Robert liebt gute Küche, am meisten die Italienische. Nach einem Absacker und einem angeregten Gespräch später, fiel der Strom bei uns aus. Heftiges Gewitter zog ins Tal ein und breitete sich aus. „Ui, solch ein Gewitter habe ich hier in den letzten drei Jahren noch nicht erlebt, ich bin gleich wieder da.“ Ganz getreu dem Priester kam Robert nicht einmal 2 Minuten später wieder mit einem Kerzenleuchter und Feuer. Zeit für‘s Bett – morgen wird ein anstrengender Tag. Alle Akkus überprüfen und den Rucksack packen, damit ich morgen vorbereitet bin. In der Nacht hang das Gewitter immer noch im Tal fest und es war sehr unruhig.

Laufen

06:30

Vor dem Frühstück, geht Robert laufen. Wir fahren in einen Wald der 8 km weiter weg ist. „Hier bleibe ich nicht alle 2 Meter stehen und erzähle mit den Menschen.“ Er sagt er freut sich sehr, dass wir das machen. Ich auch. Alle Sachen ins Auto, auf nach Seck. Der nächste Ort wo Robert sich um die Gemeinde kümmert. Insgesamt kümmert sich Robert derzeit um 13 Kirchtürme, 9 Kirchengemeinden mit einer Pfarrerei.

Krankenkommunion

10:00

Robert erklärt mir im Auto, wo wir jetzt hinfahren und was wir machen. Wir machen jetzt 3 Krankenkommunionen. Wir besuchen Menschen die zu krank oder zu alt sind um zu einer Messe in eine Kirche zu kommen. Robert fährt erst zu einer Kirche und sammelt alles ein was er benötigt für den Gottesdienst vor Ort.

In einer Tasche transportiert er eine Pyxis (Gefäß für den Leib Christi), Krankenkommunion pantene, Krankenöl, eine Stola, liturigsches Buch, Korporale, die heilige Kommunion, gesegneter Leib Christi und das Buch „Feier der Krankenkommunion“.

Heute verabschiedet sich Robert von all den Menschen aus der Gemeinde die er kennt, es ist seine letzte Runde für die Krankenkommunion.

Es geht los zu der ersten Krankenkommunion. Frau Sommer ist krank, ihr geht es immer schlechter. Robert sagte mir, dass er mittlerweile merkt, wenn es nicht mehr lange dauert. Bei Frau Sommer gibt es eine Pflegerin aus Polen. Sie macht alles, Essen kochen, anziehen, füttern, waschen, Gesellschaft leisten, einfach da sein.

Robert sagt zu der Pflegerin: „Circa eine halbe Stunde“. Dann geht sie in die Küche und schneidet weiter Zwiebeln. „Tach Frau Sommer!“ Robert hat eine Energie, die er jeden Tag auf‘s neue von irgendwo herzaubert. Ist es sein Wesen, ist es die Spiritualität, wegen Gott? Beides? Ich weiß es nicht, aber es fasziniert mich sehr. Robert fängt an, alles auszupacken und vorzubereiten. „Was wollen wir singen?“ Robert schreit halb mit Frau Sommer, er erklärte mir, dass er das mittlerweile bei allen alten Leuten macht, damit er verstanden wird. Frau Sommer nuschelt irgendwas mit Maria und Robert weiß sofort Bescheid. „Ahh, sehr gute Wahl!“, sagt er und beide fangen an zu singen. Sie singen >Segne du Maria<.

Als ich zur Tür eintrat, fiel mir sofort auf, dass Jesus überall gefeiert und verehrt wird und das mehr als in meiner Heimat. Auf dem Tisch waren Kerzen entzündet, eine Maria als Kerzenhalter und ein kleiner Buchsbaum Strauch für das Weihwasser.

Er gibt Frau Sommer den gesegneten Leib Christi.

Die erste halbe Stunde ist um, Robert ist fertig. Er kniet sich zu Frau Sommers Rollstuhl hinunter. „Frau Sommer, denken Sie morgen an mich um halb 10? Da ist meine Verabschiedung in Seck. Ich bin ja das letzte Mal heute bei Ihnen.“ Er nimmt ihre Hand und sagt: „Im Gebet sind wir weiterhin miteinander verbunden.“ Sie nickt und er verabschiedet sich mit den Worten „Machenses gut, ja?“

Bienen

13:00

Robert liebt seine Bienen. Jupp und er gießen den Flüssigzucker in Eimer um und bringen es zu den Bienen zum Einfüttern. „Ich wollte als Kind immer ein Haustier haben, jetzt habe ich 20.000”, sagt Robert.

Er liebt die Symbiose aus Arbeiterbiene und Königin. Die Bienen merken, wenn man nervös ist und schnell atmet, da sie dann aggressiver werden. Ich bin nervös, aber die Bienen sind schon etwas benebelt, von der Ameisensäure, mit der sie jetzt um die Jahreszeit wegen der Milben behandelt werden. Die Bienen schwirren jeden Tag ein und aus um nach Nektar für Honig zu suchen.

Jupp steht neben mir. „Wissen Sie, ich bin sehr traurig, dass der Robert gehen muss. Wir sind ja nicht nur Paten, ich verliere ja auch einen guten Freund.” Die beiden packen alles zusammen.

Verabschiedung

09:00

Ich bekomme Gänsehaut bei dem Einzug, direkt hinter Robert. Die Orgel ist mächtig, die Gemeinde, der Gesang. Das Komplettpaket reißt mich mit. Es wird gebetet und Lieder gesungen. Christus wird gefeiert. Dann fängt Robert seine Rede an. „Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gemeinde, lieber Papa, liebe Freunde.” Roberts Rede ist großartig. Er findet immer die tollsten Worte und Redewendungen. Er ist sehr geschickt in dem, was er macht, er fesselt die Leute mit seiner eigenen Art und bringt Gott dabei sehr gut unter und ganz groß raus.

Ich sitze während der Zeremonie vorrangig direkt hinter dem Altar. Ich bekomme mit, wie die Menschen Roberts Worte aufsaugen und ihm zuhören und genau jetzt hier in diesem Moment alle da sind, für ihn.

„Gott möchte nicht das wir perfekt sind, niemand ist perfekt. Gott möchte nur, dass wir glauben.”

Ende der Messe. Roberts Vater ist für die Verabschiedung aus Braunschweig angereist und umarmt ihn. Robert freut sich sehr. Nach der Messe wird Robert mit Abschiedsgeschenken und Händeschütteln von seinen Gemeindemitgliedern verabschiedet. Umarmen tut er keinen, damit es nicht so schwer wird. Ich frage ihn: „Robert, warum musst du nach drei Jahren gehen? Ist es wegen den Menschen und der Nähe?“ Robert ist kaputt und traurig. „Ja, man soll einfach nicht zu tiefe Beziehungen eingehen, sondern weiterziehen. Außerdem lernt man dann auch neue Priester und Gemeinden kennen“, sagt er.

Priester

Mit Herz & Seele

Er ist unterwegs, im Auftrag des Herrn.

Das muss sich gut anfühlen. Robert ist Priester. Mit MacBook und Mini. Nach diesem Wochenende sehe ich, welche Kraft er besitzt. Er fährt sein Auto wie einen Rettungswagen. Er rast durch die Gegend im Auftrag des Herrn. Mit Hoffnung und Trost im Kofferraum. Mit Liebe und Verständnis auf dem Beifahrersitz. Ist Religion vielleicht wie Mathematik? Entweder man ist zu ihr befähigt oder nicht? Wenn man es schafft zu glauben, kann Gott für einen zur Tatsache werden. Robert lebt im hier und jetzt, er hat schon gewonnen. Die großen Erlebnisse des Lebens und das Rennen um immer das noch bessere zu haben, lässt er an sich vorbeiziehen. Das tollste Auto, den besten Job, die hübscheste Frau, den noch besseren Sex. Er ist im reinen mit sich und seinem Leben. In die Rente gehen? Robert lacht: „Wirst du jemals aufhören zu fotografieren?“ Wir lachen beide.

Er ist Robert und er ist Priester. Einsam ist er nie. Froh ist er immer.

Trailer -ROBERT-

-ROBERT-